Licht

Bild: zVG

21.11.2023
Manuela Talenta

Es werde Licht – aber nicht überall

In öffentlichen Bereichen ist die Aussenbeleuchtung durch Normen und Richtlinien geregelt. Für Privatanlagen gibt es hingegen nur wenige bis keine Vorgaben. Doch auch privat genutzte Wege und Flächen sollten richtig beleuchtet werden – das sorgt für Sicherheit und eine angenehme Atmosphäre.

Eine gut beleuchtete Umgebung vermittelt ein Gefühl von Sicherheit, sie ermöglicht Orientierung und Sichtbarkeit im Dunkeln. In einem stimmig beleuchteten Areal bewegen wir uns gern und fühlen wir uns wohl. Aber was macht einen gut beleuchteten Aussenraum aus? Wie sollen Strassen und Wege erhellt werden? Welche Leuchtmittel sind sinnvoll? Und wie viele davon? Wie steht es um die Verkabelungen? Die vielen Fragen zeigen: Beleuchtung ist eine anspruchsvolle Sache. Andreas Stuber ist Lichtdesigner und Geschäftsleiter des Berner Beratungsunternehmens Lichtweise. Er sagt: «Zunächst einmal sollte die Beleuchtung von Aussenräumen ganzheitlich betrachtet werden.» Deshalb empfiehlt er, auch bei privaten Bauten Fachleute für die Beleuchtung beizuziehen. Gratis ist eine Lichtplanung natürlich nicht zu haben; dafür müssen je nach Grösse und Komplexität des Projekts bis zu mehrere zehntausend Franken investiert werden. Aber es lohnt sich, sagt der Experte. «Holt man sich im Baumarkt ein Leuchtmittel, hat man zwar auf den ersten Blick Geld gespart. Für die Beleuchtung des eigenen Wohnzimmers oder Gartens ist das auch durchaus sinnvoll. Aber sobald es um Aussenbeleuchtung geht, um Plätze, Wege oder Garagenzufahrten, ist man als Laie schnell überfordert.» Zudem sollte man nicht am falschen Ort sparen: Denn auch wenn es für Private keine generelle Beleuchtungspflicht gibt, können Immobilieneigentümer oder Hausverwaltungen unter Umständen für Unfälle und Schäden in der Dunkelheit haftbar gemacht werden. Zudem lässt sich mit einem klugen Konzept viel Energie einsparen.

 

Keine Lichtverschmutzung
Besonders wichtig sei es, bereits im Vorfeld zu analysieren, was überhaupt beleuchtenswert ist, sagt Andreas Stuber. «So kann ein Lichtgleichgewicht geschaffen werden; nicht nur im Hinblick auf das Sicherheitsempfinden der Menschen, die sich dort bewegen, sondern auch bezüglich Energieeffizienz und Lichtverschmutzung.» Denn übermässige Lichtemissionen sollen vermieden werden, und zwar laut Umweltschutzgesetz in erster Linie mit Massnahmen an der Quelle. «Dazu gehören etwa gut entblendete Leuchten, geschickt gewählte Standorte und Lichthöhen sowie der Einbezug horizontaler und vertikaler Flächen», sagt Andreas Stuber. «So lässt sich die Lichtstärke massiv reduzieren, das sehen wir jeden Tag in der Praxis.» Als Beispiel erwähnt er eine Blockrandbebauung: In der Mitte des Innenhofs befindet sich der Zugang zur Tiefgarage, den man über einen Gehweg von jeder Seite des Blocks her erreicht. Geht nun jemand spätnachts vom Haus zur Garage, müssen deswegen nicht gleich sämtliche Lichter im Innenhof ihre volle Lichtstärke entfalten. Es reicht vollkommen, wenn nur jener Weg beleuchtet wird, den die Person entlanggeht.

 

Licht für die Sicherheit
Ein Projekt von Andreas Stuber, das die Möglichkeiten der Beleuchtung gut dokumentiert, ist der Aussenraum der Universität Engehalde in Bern. Lichtweise erarbeitete ein Beleuchtungskonzept und setzte es um. Es handelt sich zwar nicht um ein privates Areal, die Situation ist aber architektonisch mit jener einer Blockrandbebauung vergleichbar: Vier Gebäude gruppieren sich um einen grossen Innenhof. «Es ist ein geschlossenes Gebiet, das öffentlich zugänglich ist, weil sich in einem der Gebäude ein Club befindet. Er ist am Donnerstag-, Freitag- und Samstagabend geöffnet.» Lichtweise beleuchtete die Zugänge zu den vier Gebäuden, den Innenhof und einen historischen Garten. Ziel der Planung war unter anderem, den dortigen sozialen Herausforderungen mittels Lichtgestaltung entgegenzuwirken. Der Lichtplaner betont: «Mit Licht kann man keine sozialen Probleme lösen – aber es kann bei der Eindämmung unterstützend wirken.»

Spürbaren Raum schaffen
Ursprünglich waren bloss vier hohe Stelenleuchten vorgesehen. «Das hätte jedoch nicht für eine ausreichende Helligkeit gesorgt», sagt Andreas Stuber. «Zudem wären durch die Ausrichtung der Leuchten die Gebäude rundherum sowie die Gehwege komplett im Dunklen gewesen.» Deshalb schlug der Lichtplaner vor, zusätzliche Lichtquellen mit unterschiedlichen Lichtstärken an sämtlichen Fassaden anzubringen – und zwar dergestalt, dass die Wege indirekt davon profitieren, womit auf eine Wegbeleuchtung verzichtet werden konnte. Das Ergebnis kann sich im wahrsten Sinn des Worts sehen lassen: Der gesamte Aussenraum ist abends in ein sanftes, warmes Licht getaucht. Die Menschen sehen nicht nur, wer oder was sich direkt vor ihnen, sondern auch weit entfernt befindet. «Mit der Fassadenbeleuchtung gaben wir dem Innenhof Raum, der spürbar ist», so Andreas Stuber. Man habe im Vorfeld lang diskutiert, ob man bei einem Gebäude die Beleuchtung weglassen könnte. «Aber dann wäre ein Teil des Platzes komplett im Dunkeln gewesen.»

 

Licht steuern und Strom sparen
Die Beleuchtungsanlage wird mittels Steuer- und Regelbeschrieb sowie Dämmerungsschalter präzise eingesetzt. «Hier besteht grosses Stromsparpotenzial», weiss der Lichtplaner. Auf dem Universitätsgelände werden die Leuchten in unterschiedlichen Lichtstärken eingeschaltet, sobald die Sonne untergegangen ist. Nach 23 Uhr wird das Licht flächendeckend auf 30 Prozent heruntergedimmt, und so bleibt es bis 5 Uhr. Danach wird die Lichtstärke wieder erhöht, bis der Dämmerungsschalter meldet, dass es Tag geworden ist und die Anlage wieder ausgeschaltet werden kann. Durch diese Steuerung konnte der Energieverbrauch um die Hälfte reduziert werden.

 

Punktuell beleuchten
In einer Wohnanlage wie einer Blockrandbebauung kann es sinnvoll sein, die Anlage bei Einsetzen der Dämmerung einzuschalten, von 22 Uhr bis Mitternacht auf 30 Prozent zu dimmen und danach bis Tagesanbruch gänzlich abzuschalten. «In den dunklen Stunden können Bewegungsmelder in einzelnen Leuchten punktuell Licht spenden, wenn jemand kommt», so Andreas Stuber. Es gibt aber auch die Möglichkeit des sogenannten mitfahrenden Lichts, wie es immer häufiger bei Strassenbeleuchtungen verwendet wird. Andreas Stuber: «Strassenleuchten sind in den Nachtstunden grundsätzlich ausgeschaltet und schalten sich nacheinander ein, wenn ein Auto oder Velo vorbeifährt oder ein Fussgänger kommt. Ermöglicht wird dies durch Sensoren und Kommunikationsmodule in den Leuchten, die individuell programmiert werden können.» Geht eine Person also zur Tiefgarage, schaltet sich die Wegbeleuchtung Stück für Stück ein und wieder aus. So lässt sich sehr viel Energie sparen.

 

Indirekte Wegbeleuchtung
Ein Weg muss aber nicht unbedingt direkt beleuchtet sein. Es geht auch indirekt wie im Fall der Universität Engehalde über die Fassadenbeleuchtung. Andreas Stuber empfiehlt sogar, Wege nach Möglichkeit zum Teil indirekt mit Licht zu versorgen: «Beleuchtet man einen Weg horizontal mit Kandelabern, kann das zu starken Kontrasten führen, die wenig Freude machen. Es ist nicht angenehm, sich auf einem stark erhellten Weg zu bewegen, wenn ausserhalb des Lichtkegels alles schwarz ist. Steht jemand direkt hinter einem Kandelaber, wird er nicht gesehen.» Das heisst aber nicht, dass gleich sämtliche vertikalen Flächen eines Aussenraums beleuchtet werden müssen, um Licht auf Wegen zu schaffen. «Eine gewisse Zurückhaltung in der Intensität ist wichtig. Vertikale Überbeleuchtung führt nämlich oft zu störenden Blendungen, die wiederum die Sicht in der Nacht behindern.»

 

Objekte beleuchten
Ist die Architektur für eine Wegbeleuchtung mittels Fassadenbeleuchtung nicht oder nur teilweise geeignet und will man Wege trotzdem indirekt beleuchten, kann man auch mit akzentuierter Beleuchtung arbeiten. Andreas Stuber: «Gerade im privaten Bereich, wo man keinen Normen unterworfen ist, kann man mit dem Licht spielen. Es macht aus Gewöhnlichem etwas Besonderes.» Zum Beispiel aus einem Brunnen: Steht ein solcher in einer Wohnüberbauung, kann man diesen durch Licht in Szene setzen und, je nach Standort, gleich noch den Weg in der Nähe mit Licht versorgen. Dann werden die Stärken des Lichts optimal genutzt: Es sorgt für Helligkeit und Stimmung.


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