

Für eine nachhaltige Energieversorgung: Die grossflächige Photovoltaikanlage auf dem Parkhausdach. Bild: SAM Architekten / Fabio Compagno
Marco Plüss/empa
Nachhaltig und ökonomisch bauen
Damit sich nachhaltiges Bauen flächendeckend durchsetzen kann, muss es sich für Bauherrschaften und Investoren finanziell rechnen. Am Beispiel des preisgekrönten Hybridbau-Parkhauses auf dem Forschungscampus von Empa und Eawag zeigt eine neue Studie, wie diese Rechnung aufgehen kann.
Wo Forschungsaktivitäten an der Empa im Bereich «Gebaute Umwelt» die Reduktion der Umweltbelastung durch die Bauindustrie mit Funktionalität, Zuverlässigkeit und finanzieller Machbarkeit verknüpfen, soll auch der eigene Forschungscampus diesen Zielen stetig näherkommen. Dass sich Nachhaltigkeit im Bau auch ökonomisch lohnt, zeigt nun eine Studie vom «Institut für Geschichte und Theorie in der Architektur» der ETH Zürich: Sie befasst sich mit der ökonomischen Nachhaltigkeit auf dem Campus «co-operate» von Empa und Eawag in Dübendorf – und zwar ganz spezifisch mit dem neugebauten Parkhaus.
Metamorphose eingeplant
Zu den ökologischen und sozialen Anforderungen des neuen Infrastrukturbaus gehörten dabei die Solaranlage auf dem Gebäudedach, der neuartige Erdwärmespeicher mit Erdsonden, Zementeinsparungen durch die Holz-Beton-Hybridbauweise und die Umgestaltung des Geländes zu einer nahezu autofreien Begegnungszone. Laut Studienautor Bernhard Kümmerli würden Anforderungen an die ökonomische Nachhaltigkeit in der Architektur heute allerdings noch nicht systematisch berücksichtigt. Dies konnte er anhand der empirischen Fallstudie des Parkhauses nun eindrücklich darstellen.
Dabei ist es für Kümmerli entscheidend, rechnerische Bewertungen nicht durch gegenwartsbezogene Methoden einzuschränken, sondern vielmehr auch künftige Zahlungsströme einzubeziehen. Denn die Auftraggeberinnen Empa und Eawag hatten mit der Zukunft im Blick eine künftige Umnutzung des Parkhauses miteinplanen lassen: Einem sinkenden Bedarf an motorisiertem Individualverkehr in der Zukunft sollte einerseits eine mögliche Teil-Transformation des Infrastrukturbaus zu Büro- oder Geschäftsflächen entgegenkommen. In einem zweiten Szenario würde das Parkhaus in Zukunft komplett entbehrlich, da der Personentransport vom und zum Campus über den öffentlichen Verkehr oder mittels kombinierter Mobilität erfolgen könnte. Daher sollte auch eine vollständige Transformation und Umnutzung in die Planung integriert werden. Diesen Vorgaben entsprechend wurde eine Modulbauweise aus demontierbaren Fertigteilen gewählt, eine lichtdurchflutete Holzfassade angebracht und eine bürotaugliche Raumhöhe eingehalten.
Rechnen mit der Zukunft
Für eine langfristige Wirtschaftlichkeitsanalyse, die auf den kompletten Lebenszyklus des Gebäudes ausgerichtet ist, nutzte Kümmerli in Zusammenarbeit mit dem Beratungsunternehmen Wüest Partner die Netto-Barwertanalyse, die Anfangsinvestitionen mit Transformationskosten in der Zukunft aufrechnet. So konnte die flexible Bauweise, die eine Umnutzung und Transformation ermöglicht, mit einem konventionell gebauten Parkhaus verglichen werden. Zusammengefasst ergab sich eine künftige Kosteneinsparung für das Campus-Parkhaus von rund 6 Millionen Franken bei einer partiellen Transformation und von rund 12 Millionen Franken bei einer vollständigen Transformation – und das trotz den um 22% höheren Baukosten.
«Derartige fundierte Aussagen zur ökonomischen Nachhaltigkeit fehlten bisher», sagt Kevin Olas, Leiter Immobilien an der Empa. Für die Nachhaltigkeit in der Bauwirtschaft seien derartige Finanzanalysen, die potenzielle künftige Vorteile einbeziehen äusserst wertvoll. Die vorliegende Studie zeige, dass die gewählte Lösung gegenüber einem konventionellen Parkhaus auch ökonomisch im Vorteil sei, trotz einer höheren Initialinvestition. «Wird die Netto-Barwertmethode künftig konsequent angewendet, könnte dies die Transformation hin zur klimaverträglichen Baupraxis deutlich beschleunigen», so Olas.



