Gebäude

Bei der Flughafen Zürich AG lautet das Betriebsmotto: Mit Effizienz zur Suffizienz. Foto: Flughafen Zürich AG

12.08.2026
Erik Brühlmann

Wie viel ist genug?

Die Idee, mit weniger Ressourceneinsatz den Status Quo zu erhalten, treibt uns in der westlichen Welt seit geraumer Zeit um. «Mit Effizienz zur Nachhaltigkeit», lautet die Devise. Kaum je wird jedoch der Status Quo infrage gestellt und hinterfragt, was denn eigentlich genug ist für ein gutes Leben.

Im Zug der Energiewende ist der Begriff Effizienz zum Schlagwort geworden, ohne das kaum ein Medienartikel, Projektbeschrieb und neue Gerätschaft mehr auskommt. In der Theorie müsste man also auf bestem Weg in eine energieeffiziente Zukunft sein. Doch es zeigt sich, dass die Praxis nicht unbedingt der Theorie entspricht. Oder neudeutsch formuliert: Es zeigt sich, dass ein Energy Perfomance Gap existiert. Der Begriff bezeichnet die Diskrepanz zwischen berechneten, prognostizierten Energieeinsparungen oder -verbräuchen und den tatsächlich gemessenen Werten. Minergie nennt zum Beispiel Abweichungen im Wärmeverbrauch von Wohnbauten zwischen +45 und -45 Prozent; im Mittel beträgt der Performance Gap laut Studien rund +10 Prozent. Es scheint also, als führe technische und bauliche Energieeffizienz allein nicht automatisch zu Energieeinsparungen.

 

Verlust oder nur Verzicht?

Damit die Energiewende gelingt, wird deshalb immer öfter ein weiteres Prinzip bemüht: die Suffizienz. Urs-Peter Menti, Co-Institutsleiter Gebäudetechnik und Energie an der Hochschule Luzern, erklärt den Unterschied: «Effizienz versucht, mit weniger Ressourcen das gewohnte Level zu halten», sagt er, «Suffizienz hinterfragt, wie hoch dieses Level überhaupt sein muss.» Wie viel Fläche ist genug? Welche Raumtemperatur ist genug? Welche Technik braucht es überhaupt? Anders gesagt, versucht das Prinzip der Suffizienz, das richtige Mass in allen Lebensbereichen zu finden. Das habe, so wird immer wieder beteuert, jedoch nichts mit Verzicht tun – oft ein Kommunikationskniff, mit dem das negative Image des Verzichtens umschifft werden soll. Einen anderen Ansatz wählt Urs-Peter Menti. «Verzicht muss nicht Verlust bedeuten», sagt er. «Wer auf Wohnfläche verzichtet, diese aber qualitativ hervorragend gestaltet, verzichtet zwar, verliert aber im Gesamtbild nichts.» Ähnlich sei es, wenn man zum Beispiel auf den Betrieb einer Lüftungsanlage zu Zeiten verzichtet, wo eine solche gar nicht gebraucht wird. Ein Verzicht? Sicherlich. Ein Verlust? Sicher nicht. «Suffizienz will Unnötiges vermeiden» fasst Menti zusammen. Es gehe letztlich darum, wie unsere Grosseltern haushälterisch mit Ressourcen umzugehen; das Vorhandene möglichst sinnvoll einzusetzen.

 

Das Gleichgewicht finden

Suffizienz ist ein Teil von Nachhaltigkeit, aber sie ist nicht mit Nachhaltigkeit gleichzusetzen. Es gilt zudem, das Gesamtbild im Blick zu behalten. Urs-Peter Menti: «Es geht darum, ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit unter dem Gesichtspunkt der Suffizienz auszutarieren», sagt er. Er nennt als Beispiel die aktive Kühlung von Büroräumen im Sommer. «Das erscheint auf den ersten Blick wenig suffizient und schon gar nicht nachhaltig», sagt er. Wenn man aber den Blick weitet, zeigt sich, dass der Energieverbrauch für die Kühlung dadurch aufgewogen werden kann, dass die Mitarbeitenden gesund und leistungsfähig bleiben. Das Minus in der ökologischen Nachhaltigkeit wird durch das Plus in der ökonomischen Nachhaltigkeit mindestens aufgewogen.

 

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der ET-Ausgabe vom 21. August.


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